Was heißt BMX?

In den 1960er-Jahren etablierte sich in den USA ein neuer Sport: Die Rede war von BMX. Was auf den ersten Blick etwas außergewöhnlich aussieht, erfordert jedoch viel Können, Übung und Körpergefühl. Doch was heißt BMX eigentlich?

BMX als Akronym für Bicycle Motocross

BMX ist eine Abkürzung für die Wortgruppe „Bicycle Motocross“. Motocross, also das Durchführen von Sprüngen, Stunts und rasantem Fahren über Offroad-Pisten, hat bereits mit dem Motorrad eine lange Tradition. Eine wesentlich nachhaltigere und umweltfreundlichere – jedoch ebenso anstrengende – Sportart entwickelte sich daraus in den 1960er-Jahren in den USA. Das BMX Fahren wurde geboren und brachte im wahrsten Sinne des Wortes jede Menge Schwung in den Alltag der Sportler. BMX setzt sich also aus den Bestandteilen Bicycle, zu Deutsch: Fahrrad und Motocross zusammen. Während B und M jeweils die Anfangsbuchstaben darstellen, steht das X für das englische Wort „cross“, zu Deutsch: Kreuzen, durchqueren bzw. Kreuz. Ein neuer Name war geboren und mit ihm eine durchaus interessante Sportart, die sich zunehmend auch immer größerer Beliebtheit in Europa erfreute.

Doch was unterscheidet BMX eigentlich vom herkömmlichen Fahrrad? Eine ganze Menge, aber zuerst ins Auge sticht wohl die außergewöhnliche Form bzw. das extravagante Aussehen des Rades. Die sehr kleinen Reifen, nur 20-Zoll Räder, erinnern auf den ersten Blick und in Anbetracht der Größe zunächst an ein Kinderfahrrad. Doch diese Assoziation hat weit gefehlt. Vielmehr handelt es sich beim BMX Rad um eine kleine Version eines echten Rades, das einige Tricks, Stunts und Vorführungen mitmachen.

Kurzum: Mit dem BMX war eine neue Generation von Fahrrädern geboren, die losgelöst war vom schnöden Image des spießigen Fahrrades. Beim Bicycle Motocross ging es nicht um die Fortbewegung mit dem Rad, sondern darum, möglichst aufwendige Kunststücke und atemberaubende Stunts durchführen zu können – kein Wunder also, dass das BMX gerade bei der jüngeren Generation so beliebt war.

Video:How To Bunny Hop | Tutorial | BMX Tricks für Anfänger | deutsch/german

Kurzer Abriss über die Geschichte des BMX Rades

Wie die meisten anderen Sportarten auch wurde das BMX Fahren nicht von heute auf morgen erfunden. Vielmehr handelte es sich um eine langsame Entwicklung, die zunächst einen Vorläufer hatte, nämlich das Stingray (engl. Stachelrochen) Fahrrad. Dieses besondere Fahrrad wurde bereits Ende der 1950er- bzw. Anfang der 1960er-Jahre entwickelt und war besonders bei den Jugendlichen extrem beliebt. Es erinnert auf den ersten Blick ein wenig an eine Harley: Mit dem hohen Lenker und den kleinen Rädern war es aber recht wendig und erlaubt es bereits damals, im Sandkurs gegeneinander anzutreten und auf einer etwa 400 Meter langen Strecke Rennen zu fahren. Die Fahrräder waren nicht für die extreme Belastung auf einer Sandstrecke ausgelegt, weshalb schließlich daran gearbeitet wurde, stabilere Rahmen bzw. eine insgesamt solidere Bauweise zu etablieren.

Dies gelang dann schließlich mit den ersten BMX Fahrrädern: Diese waren wesentlich stabiler – behielten aber die wesentlichen Charakteristika des Stingway Rades bei. Der hohe Lenker und die kleinen Räder mit einem Felgenmaß von 20 Zoll waren die typischen Merkmale, die auch das BMX Rad kennzeichneten. Dank der stabilen Bauweise und dem festen Rahmen, war es jetzt nicht nur möglich, über sandige Strecken zu fahren, sondern auch kleine Tricks und spezielle Sprünge auszuführen. Und hier kommt auch wieder die Parallele zum Motocross ins Spiel, woher das BMX auch seinen Namen hat. Rasante Sprünge, aufwendige Stunts und waghalsige Manöver sind auch ohne motorisiertes Zweirad möglich, nämlich mit dem Bicycle Motocross Rad!

Video:SI BMX Werkstatt – Komplettrad Montage

Wesentliche bauliche Besonderheiten eines BMX Rades

Auch wenn die BMX Fahrräder in den 1980er-Jahren gerade bei Kindern als Ersatz für ein „richtiges“ Fahrrad in Mode gekommen sind, handelt es sich bei einem BMX Rad nicht um ein herkömmliches Rad. Es gibt wesentliche bauliche Merkmale, die die besonders strapazierfähigen und belastbaren BMX Fahrräder von einem bequemen Stadtrad oder einem Mountainbike unterscheiden. Wie bereits oben erwähnt, liegt die Felgengröße bei 20 Zoll. Damit sind die Räder um einiges kleiner als bei einem normalen Fahrrad, was das Treten anstrengender macht. Die Felgen eines BMX Rades sind in der Regel aus Aluminium und zeigen sich besonders robust. Auch die Speichen eines BMX Rades beweisen, dass Robustheit bei den Rädern wichtig ist: In der Regel sind die Speichen zwischen drei- und viermal gekreuzt, was für Stabilität sorgt.

Auch die Pedale eines BMX Bikes unterscheiden sich von denen eines normalen Fahrrades. So sind sie zum einen stabiler und zum anderen etwas größer – als einzige Besonderheit am überschaubaren BMX Rad zeigen sich die Pedale größer als beim normalen Fahrrad. Ein wesentlicher Unterschied ist der Sattel des BMX Bikes, denn dieser ist besonders tief gelagert. Da die meisten BMX Tricks und Stunts ohnehin im Stehen ausgeführt werden, nimmt der Sattel eine nachgelagerte Rolle ein. Anders als bei einem bequemen Tourenrad ist der Sattel eines BMX Rades zum einen niedriger und zum anderen besonders einfach und ungepolstert – vornehmlich aus dem Grund, dass er eh kaum benutzt wird.

 

Egal, welche Disziplin ein Fahrer bevorzugt – wichtig ist immer das Gefühl für das BMX Rad. Ebenso wie beim „echten“ Motocross, das namensgebend für das BMX ist, ist das Fahren stets mit einer hohen körperlichen Anstrengung verbunden. (#01)

Egal, welche Disziplin ein Fahrer bevorzugt – wichtig ist immer das Gefühl für das BMX Rad. Ebenso wie beim „echten“ Motocross, das namensgebend für das BMX ist, ist das Fahren stets mit einer hohen körperlichen Anstrengung verbunden. (#01)

Was unterscheidet das BMX Bike von einem normalen Fahrrad?

Neben den genannten baulichen Besonderheiten gibt es noch eine Vielzahl weiterer spezieller Dinge, die sich im Laufe der Jahre am BMX Rad entwickelt haben. So verfügen die BMX Fahrräder nicht über Schutzbleche oder einen Kettenschutz. Während diese Dinge im Alltag mit Fahrrad wichtig sind, um saubere Kleidung zu behalten, kommt es beim BMX Fahren auf ein wenig Schmutz nicht an. Es ist viel wichtiger, dass das Rad besonders einfach in der Handhabung ist und keine unnötigen, schweren Bauteile aufweist – so bleibt das Rad weniger und besser geeignet für Tricks und Co. Was bei einem BMX Bike jedoch wichtig ist, sind die sogenannten Pegs. Das sind kleine Stangen, die sich am Vorder- und Hinterrad befinden und so stabil sind, dass sich der Radfahrer darauf abstellen kann.

Die wohl wichtigste Unterscheidung von BMX Rädern und anderen Fahrrädern ist die nachfolgende: Nicht alle BMX Bikes haben Bremsen. Während funktionstüchtige Bremsen im Straßenverkehr unerlässlich sind, können diese im BMX Park nachteilig sein. In der Regel haben BMX Bikes für Kinder Bremsen, einfach aus dem Grund der Sicherheit. BMX Räder für Profis sind oftmals ohne – und das hat einen ganz praktischen Nutzen: Ein Bremskabel beeinträchtigt die Flexibilität bei Tricks bzw. macht einige Stunts gar nicht erst möglich. Wer auf Bremsen inklusive Kabel verzichtet, kann also alle Tricks ohne Weiteres ausführen.

Video:SI BMX Fahrschule Nollie

Bahnen, Tricks und Street Parks: Die verschiedenen Disziplinen

Auch wenn der vollständige Name von BMX (Bicycle Motocross) anderes erwarten lässt, dreht sich beim BMX Fahren nicht alles um die Bewegung im Offroad-Bereich. Einige Fahrer haben sich auf das Biken in Bahnen oder Parks andere auf das auf der Straße spezialisiert. Insgesamt gibt es sechs verschiedene BMX Disziplinen, die für jede Menge rasanten Fahrspaß sorgen und alle ein anderes Spezialgebiet fokussieren.

Bei den sechs Disziplinen handelt es sich um die Folgenden:

  • Race
  • Vert
  • Dirt bzw. Dirtjump
  • Park
  • Street
  • Flatland

Die wohl populärste Form des BMX Fahrens ist die Disziplin „Race“. Dabei treten mehrere Fahrer gegeneinander an und düsen durch eine künstlich angelegte Strecke. Steilkurven, Schanzen und Co. erinnern tatsächlich an Motocross – kein Wunder also, dass die BMX Räder ihren einprägsamen Namen haben. Die berühmtesten Contests finden in den internationalen Metropolen statt: Ob Berlin, Manchester oder gar Chula Vista (USA) – dem Publikum ist hier ein echtes Spektakel geboten.

Video:Anfänger Tricks für’s BMX

Die Kunst zu fahren: BMX

Eine echte Kunst ist das Fahren in der Halfpipe (Vertramp). Dies wird unter der Disziplin „Vert“ zusammengefasst, verliert aber zunehmend an Beliebtheit. Beim BMX Fahren in der Sparte „Dirt“ ist der Name Programm: Die Fahrer springen über Erdhügel, die eigens für ein Event aufgeschüttet wurden und müssen so ihre Fahrkünste unter Beweis stellen. Die Disziplin „Park“ orientiert sich stark am Skateboarding: Die Radler legen mit ihren Bikes eine Strecke in einem Skatepark zurück und bauen dabei so viele und atemberaubende Stunts wie möglich ein.

Auch die Disziplin „Street“ macht ihrem Namen alle Ehre. Hierbei geht es darum, die urbane Umgebung, also die Straßen, Treppen und Co. bestmöglich zu nutzen, um sich mit dem Bike dynamisch fortzubewegen. Eingebaut werden dabei gleichzeitig auch immer wieder Sprünge und Tricks, die das Fahren mit einem BMX so besonders machen.

Beim „Flatland“ wird versucht, so viele Tricks wie möglich auf dem Rad auszuführen. Dabei geht es weniger um das spektakuläre rasante Fahren, sondern eher um die Kunst, das eigene BMX zu beherrschen. Körpergefühl und ein Händchen für das Bike sind dabei das A und O.

Egal, welche Disziplin ein Fahrer bevorzugt – wichtig ist immer das Gefühl für das BMX Rad. Ebenso wie beim „echten“ Motocross, das namensgebend für das BMX ist, ist das Fahren stets mit einer hohen körperlichen Anstrengung verbunden.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild: homydesign -#01:vitaliy_melnik

Share.

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply